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Vor fast genau einem Jahr gab’s den ersten Corona-Fall in Deutschland. Mit so einem Ausmaß hatte zu dem Zeitpunkt kaum jemand gerechnet. Rund ein Jahr später gibt’s einen Impfstoff und alle hoffen, dass bald wieder „Normalität“ herrscht. Wie lange das noch dauern kann und warum „nach der Pandemie“ wahrscheinlich nicht bedeutet, dass das Virus ausgerottet ist, erklärt maiLab in ihrem neuen Video.

Wie viele Menschen müssen geimpft sein, damit wir wieder ein normales Leben führen können?

Im Frühjahr 2020 hatte maiLab in ihrem Video „Corona geht gerade erst los“ gesagt, dass 60-70% der Bevölkerung immun sein müssten, damit wir eine Herdenimmunität hätten und die Pandemie vorbei sei. Damals sind Wissenschaftler*innen beim SARS-CoV-2-Virus von einem R-Wert von ungefähr 3 ausgegangen. Dieser R-Wert gibt an, wie viele Personen eine infizierte Person im Schnitt ansteckt – ohne Schutzmaßnahmen oder immune Menschen, deshalb nennt man das die Basisreproduktionszahl. Um eine Infektionskrankheit einzudämmen, muss der R-Wert unter 1 liegen.

Inzwischen geht das RKI aber von einem R-Wert von 3,3 bis 3,8 aus. Und das drückt auch die Zahl der Menschen in die Höhe, die es braucht, um eine Herdenimmunität zu erreichen: Geht man von einem R-Wert von 3,8 aus, wäre die Herdenimmunität bei 74%, erklärt Mai in ihrem Video. Dazu kommen Virus-Mutationen, wie die britische Mutation B.1.1.7, die ansteckender sind und damit den R-Wert anheben. ABER: Durch die momentan geltenden Schutzmaßnahmen und Immunitäten liegt der R-Wert im Moment bei ungefähr 1 – das ist die effektive Reproduktionszahl.

Mai stellt sich ein Szenario vor: Durch die Impfungen und Schutzmaßnahmen sinken die Infektions- und Todeszahlen und der R-Wert bleibt stabil. Wenn aber noch keine Herdenimmunität erreicht ist und aufgrund von niedrigeren Infektions- und Todeszahlen die Schutzmaßnahmen aufgehoben werden, steigt der R-Wert wieder und es kann nochmal zu einer Welle kommen. Deshalb warnt sie vor einem „Scheinende der Pandemie“ und einer „Impffaulheit“, wenn sich immer mehr normalisiert und Menschen den Eindruck haben, es wäre unnötig, sich dann noch impfen zu lassen.

maiLab: „Die Impfungen könnten vorerst weniger verändern als erwartet“

Im Moment werden erstmal die Risikogruppen geimpft – und das ist gut so. Denn dadurch wird es weniger schwere und tödliche Fälle geben und die Krankenhäuser werden nicht mehr so belastet sein.

Bis aber ein spürbarer Herdenschutz für alle anläuft, könnte es länger dauern als viele vielleicht bisher erwarten.

Denn die Menschen aus den Risikogruppen, die als erstes geimpft werden, sind nicht diejenigen, die die Pandemie vorangetrieben haben. Dazu kommt, dass momentan noch untersucht wird, ob eine Impfung oder eine durchgemachte Krankheit auch dazu führt, dass man andere nicht mehr anstecken kann – klar ist nur, dass die Impfung verhindert, dass man selbst krank wird.

Virologin Ciesek: "Eine komplette Ausrottung von Corona ist unwahrscheinlich"

Weil das SARS-CoV-2-Virus sich weltweit verbreitet hat und man außerdem sehen kann, dass Menschen sich ein zweites Mal damit infizieren, kann es schwierig sein, das Virus auszurotten, sagt Prof. Dr. med. Sandra Ciesek, Direktorin des Insituts für Virologie an der Uniklinik Frankfurt in Mais Video. Deshalb gehen Wissenschaftler*innen davon aus, dass das Virus „endemisch“ wird, also heimisch und damit nach der Pandemie bleibt.

Wenn wir das neue Coronavirus nicht ausrotten können, bedeutet das im Klartext: Entweder man wird geimpft oder man wird sich früher oder später anstecken.

Die langfristige Aussicht: Ein Leben mit Corona

Wenn das Virus nicht komplett ausgerottet wird, wird es das Virus weiterhin geben – logisch. Laut Mai ist die Pandemie beendet, wenn durch die Impfungen eine Herdenimmunität erreicht wird. Der Weg bis dahin wird das Harte sein, aber durch den Impfstoff werden wir immer mehr „Normalität“ zurückbekommen.

Leute, es gab in der Geschichte der Menschheit noch nie ein Virus, das eine Pandemie in diesem globalen Ausmaß ausgelöst hat, gegen das wir eine Impfung hatten.

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