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AUTOR/IN
Daniela Rapp (Foto: DASDING)

Zwei Männer stellen in einer Fernsehshow einen pinken Plastikhandschuh vor, mit dem Menstruierende ihre Periodenprodukte "hygienischer" entfernen und entsorgen sollen - und wollen damit ein "Frauenproblem" lösen. Meiner Meinung nach problematisch.

Was ist passiert?

In der Fernsehsendung "Die Höhle der Löwen" werden regelmäßig neue Erfindungen vorgestellt. Die werden dann von einer Jury bewertet und sie entscheiden sich, ob sie darin investieren möchten oder nicht.

Zwei männliche Gründer haben jetzt ein Menstruationsprodukt vorgestellt: Ein pinker Einweghandschuh, mit dem Menstruierende ihren Tampon "diskret" und "hygienisch" entfernen und entsorgen können. Daraufhin ernten sie einen Shitstorm im Netz.

Meiner Meinung nach gibt es hier folgende Probleme:

1. Die Periode als etwas Unhygienisches

In der Sendung und auch auf Instagram sprechen die beiden Männer über die Entstehungsgeschichte ihres Start-Ups und die Idee hinter ihrem pinken Perioden-Handschuh. Sie erklären, in einer WG mit Frauen gelebt zu haben und beim Blick in den Mülleimer im Bad "verwundert" gewesen zu sein, denn "nach einer Zeit riecht das unangenehm und das Papier nässt durch". Außerdem hätten Frauen unterwegs Entsorgungsprobleme und das Produkt solle das Leben erleichtern.

Grad gesehen, dass 2 Männer pinke Einweghandschuhe "entwickelt" haben, um 1 hygienisches Entfernen und Einführen von Tampons zu ermöglichen. Danke, dass ich meine ekelhafte Scheide nun nicht mehr ungeschützt berühren muss. Danke. #pinkygloves

Es vermittelt den Eindruck, dass die Blutung so ekelhaft ist, dass man es nicht mit den Händen anfassen sollte, sondern mit dem Handschuh. Dadurch wird die Periode als etwas Unnatürliches und Unhygienisches dargestellt und Scham erzeugt. Ein Bild gegen das schon lange gekämpft wird, wird hier aufrechterhalten.

2. Es wird ein Problem geschaffen, wo keins ist

Meiner Meinung nach ist die Menstruation das Natürlichste der Welt, wofür sich niemand schämen muss und sollte. Ein benutztes Periodenprodukt in Klopapier einzuwickeln und in einen Mülleimer zu werfen, stellt meiner Meinung nach kein Problem dar für Menstruierende, sondern in diesem Fall für die Erfinder dieses Produkts, die sich davon gestört fühlen. Für mich klassisches "Mansplaining", wenn Männer Menstruierenden erklären wollen, wie sie ihre Periodenprodukte zu entsorgen haben - als Nicht-Betroffene. Beim "Mansplaining" geht Mann im Vorhinein davon aus, mehr über etwas zu wissen und erklärt es der Frau.

3. Die pinken Perioden-Handschuhe bedienen sich Klischees

Ins Auge sticht direkt das Design des Handschuhs, das sich dem Klischee bedient, dass Frauen nunmal Pink mögen. Damit werden Geschlechterstereotype aufrechterhalten und reproduziert. Mal abgesehen davon, dass nicht nur Frauen und auch nicht alle Frauen menstruieren.

4. Ein weiteres Plastikprodukt

In Anbetracht der Tatsache, dass wir uns in einer Klimakrise befinden, ist es "schade", dass ein weiteres nicht-nachhaltiges Periodenprodukt auf den Markt gebracht wird. Es handelt sich zwar um recycelbares Plastik, kann aber mit dem Tampon oder der Binde nicht in die gelbe Tonne.
Vor zwei Jahren hatten zwei Frauen ein nachhaltigeres Menstruationsprodukt in der selben Show vorgestellt und keine*n Investor*in bekommen mit der Begründung, es sei ein "Frauenprodukt". Zwei Männer, bei denen Frauen nur in beratender Tätigkeit, nicht aber am Unternehmen beteiligt sind, bekommen diesen Deal.

Statement der Erfinder

Die beiden Gründer haben sich inzwischen via Instagram gemeldet und zwei Statements abgegeben. Eins per Video und eines schriftlich. Sie meinen, dass ihnen viele Dinge nicht bewusst gewesen sind, dass sie sich nicht ausreichend mit dem Thema auseinandergesetzt haben. Sie betonen, dass sie es gut finden, dass jetzt ein Diskurs in der Gesellschaft entsteht und, dass sie absolut für die Enttabuisierung der Periode sind.

Gründer nehmen das Produkt vom Markt

Das Produkt und deren Gründer wurden seit ihrem Auftritt in der Fernsehshow "Die Höhle der Löwen" stark kritisiert. Auch mit ihren Statements sind sie auf starke Kritik gestoßen. Nach eigenen Angaben seien sie und ihre Familien Hass, Mobbing, Gewaltandrohungen, und Morddrohungen ausgesetzt. Nun haben sie auf ihrem Instagram-Account bekanntgegeben, das Produkt vom Markt zu nehmen:

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