STAND
AUTOR/IN

Keine Filter und keine Selfies, dafür viel Spaß mit Freunden - das verspricht die neue Foto-App Poparazzi. Was sie kann und was nicht - wir haben's mal gecheckt.

Noch kurz ein Selfie von der neuen Frisur hochladen? Nix da - die neue Social-App "Poparazzi" will back to the roots. Mehr social, weniger Selbstdarstellung - so der Plan passend zum Ende der Pandemie.

Poparazzi - was kann die App?

Das ist eigentlich schnell beantwortet: Fotos machen und die posten. ABER: Auf deinem eigenen Profil kannst du keine Bilder von dir selbst posten, sondern andere müssen Bilder von dir machen, diese auf ihrem Profil posten und dich markieren - das taucht dann in deinem Feed auf.

Du kannst übrigens nicht nur Einzelfotos machen, sondern gleich bis zu neun Bilder in Serienaufnahme - die App generiert daraus dann GIFs. Das alles geht aber nur mit der Frontkamera - die Selfie-Cam kann gar nicht erst ausgelöst werden und auch Filter sucht man vergeblich. Man kann allerdings auch bereits erstellte Bilder hochladen - theoretisch dann natürlich auch Selfies oder bearbeitete Bilder. Aber: Auf jedem Bild muss mindestens eine Person markiert werden, sonst kann das Bild nicht hochgeladen werden - und selber markieren geht natürlich nicht.

Poparazzi: Ääääh - Datenschutz? Privatsphäre?!

Okay, also andere machen Bilder von mir und laden sie einfach auf Social Media hoch? Das ist natürlich auf den ersten Blick nicht nur ein ziemlicher persönlicher Alptraum für die meisten, sondern auch rechtlich sehr kritisch.

Die App schiebt da immerhin einen kleinen Riegel vor: lädt jemand ein Foto von dir hoch und markiert dich darauf, musst du dem Upload erst zustimmen - vorher erscheint das Bild nicht auf der Plattform. ABER: das gilt nicht für Leute, denen du bereits folgst! Freunde und Bekannte können ihre Bilder von dir also ohne deine Zustimmung hochladen - man sollte also sehr gut überlegen, wem man auf dieser Plattform folgt und welchem seiner Freunde man dieses Vertrauen entgegenbringt... Immerhin: laut den Machern der App kann man jederzeit auch jedes Bild von sich wieder entfernen lassen, wenn man damit nicht einverstanden sein sollte.

Apropos Datenschutz. Womit man übrigens einverstanden sein muss: die Angabe seiner Handynummer und die Freigabe der eigenen Kontakte auf dem Handy - wer dem nicht zustimmt, kann sich keinen Account erstellen. Die App ist also zwar kostenlos, bezahlt wird aber natürlich mit deinen Daten - und auch gleich noch mit denen all deiner Kontakte.

Reality-Check - wie anders ist es denn nun auf Poparazzi?

Die App wurde erst vor wenigen Tagen offiziell gelauncht, daher gibt es natürlich noch nicht soooo viel Inhalt und Nutzungsgewohnheiten zu sehen. Ein erster Blick durch den Explore-Feed zeigt aber: am auffälligsten ist die Nutzung der GIF-Option. Dass sich bereits in der Vorschau alle GIFs bewegen, ist gewöhnungsbedürftig - und leicht Kopfweh-erzeugend.

Screenshot www.poparazzi.xyz (Foto: Screenshot www.poparazzi.xyz)
Screenshot www.poparazzi.xyz

Die Motive sind allerdings nicht so viel anders als auf Instagram - nur eben ohne Filter. Dadurch wirken viele Bilder sicher etwas realitätsnaher, aber man sieht den meisten Posts an, dass da ein "mach doch mal ein Foto von mir!"-Aufruf dahinter steckt. So ganz selbstverständlich ist das Konzept der App eben doch nicht.

Aktuell ist das Ganze daher optisch noch eine wilde Mischung aus den ersten bereits komplett durchgestylten Postings - das geht nämlich auch ohne Filter - und einigen wirklichen Schnappschüssen, wie wir sie alle von unseren Freunden auf unseren Smartphones haben. Und dazwischen die skurrilen bis verzweifelten Versuche, ein anständiges Selfie ohne Selfie-Cam hinzubekommen - das kannten bisher nur die 90s Kids...

Eine App für Freunde, nicht für Influencer?

Die Macher von Poparazzi wünschen sich laut eigener Angabe eine Rückbesinnung auf das "social" in Social Media, also auf Freunde, echtes Leben, weniger perfekte Selbstdarstellung. Klingt nach Gift für alle "perfect-happy-life"-Influencer, oder?

Tatsächlich wird es für Influencer und/oder Werbetreibende nicht ganz leicht sein, in der App Fuß zu fassen - schließlich kann man die App nur mit Inhalten füllen, wenn jemand anders sie hochlädt. Außerdem gibt es weder Standort-Tags noch Hashtags. Likes und Views werden bei den Posts aber ebenso ausgespielt wie auf anderen Plattformen, außerdem kann man noch aus einer geradezu verwirrend großen Palette von Reactions aussuchen, wie man die Bilder findet. Das einzige, was auf den Profilen geheim bleibt, ist die Anzahl der Follower.

Allerdings gibt es auch keine direkten Kontaktmöglichkeiten, keine Kommentar- und Nachrichtenfunktion. Also die nervigen Sex-Bots sollten zumindest schon mal außen vor bleiben...

Fazit?

Wir stehen kurz vorm Ende der Corona-Pandemie und können alle einen Sommer mit unseren Freunden kaum erwarten - und sicher werden wir alle jede Menge Fotos davon machen, wenn es endlich wieder soweit ist. Wer Bock hat, diese Fotos und Erinnerungen unbedingt irgendwo hochzuladen, für den könnte Poparazzi was sein. Den Fokus ein bisschen mehr auf andere und nicht auf sich selbst zu lenken und auch mal ein unperfektes Bild abfeiern - sicher keine schlechte Idee. Aber ganz ehrlich: Haben wir dafür nicht ohnehin schon alle Chat-Gruppen mit all unseren Freunden?

🔝 Meistgelesen

  1. Social Media Wer ist Hasbulla und wieso ist er überall?

    Auf TikTok oder Instagram kommt man nicht mehr an ihm vorbei: Der 18-Jährige Hasbulla Magomedov aus Russland ist ein Mega-Star im Netz. Videos und Memes von ihm gehen viral. Woher der Hype um ihn kommt und wegen welcher Aktion er auch kritisiert wird, checkst du hier.  mehr...

  2. Coronavirus FAQ: Was müssen wir jetzt über die Delta-Variante wissen?

    Wahrscheinlich siehst du gerade auch viele Berichte über die Delta-Variante, eine Corona-Mutation, die auch in Ländern wie Großbritannien und Israel die Inzidenzen wieder steigen lässt. Die häufigsten Fragen - und was verschiedene Experten darauf antworten - haben wir hier für dich gesammelt.  mehr...

  3. Fußball Erwischt! Diese DFB-Stars machen auf Boyband

    Kurz vor dem EM-Spiel gegen Ungarn haben ein paar Spieler der deutschen Nationalmannschaft einen großen Auftritt hingelegt - der nichts mit Fußball zu tun hat...  mehr...

  4. Fußball "Schw***telbinde" - Jetzt gibt's Stress

    Per Twitter schoss er gegen die Regenbogenbinde von Manuel Neuer. Jetzt soll Uwe Junge von der AfD die Quittung dafür bekommen.  mehr...