TikTok-Trend "Manifestieren" (Foto: DASDING)

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Erfolgreich und schön durch Gedankenkraft? Das sagt eine Psychologin zum Manifestieren

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AUTOR/IN
Dani Rapp
Daniela Rapp (Foto: DASDING)
INTERVIEW
Mailine Albrecht

Stars schwören darauf und auch auf Social Media wird es krass gehypt: das Manifestieren. Damit sollst du alles im Leben erreichen können. Was dahintersteckt und was eine Psychologin dazu sagt, checkst du hier.

Laut diverser TikToks sollst du ganz fest an deinen Traum oder Wunsch glauben, damit dieser wahr wird. Nur glauben reicht dafür allerdings nicht aus. Es gibt verschiedene Techniken des Manifestierens, hauptsächlich soll es um das Wiederholen gehen.

In diesem TikTok wird zum Beispiel eine Technik beschrieben, bei der du deinen Wunsch jeweils 55 Mal an fünf Tagen hintereinander aufschreibst:

In anderen Videos, in denen es ums Manifestieren geht, wird erklärt, dass du dir vorstellen sollst, dein Traum wäre schon real - dann soll er das auch in der Zukunft werden:

Von dieser Technik sprechen auch einige Stars. Musiker Shawn Mendes hat seinen Erfolg manifestiert in einem Tagebuch, wie er in seiner Doku "In Wonder" erzählt. Model Ashley Graham sprach bereits oft öffentlich darüber, wie sie ihre Träume und Wünsche manifestiert, zum Beispiel auch auf ihrem YouTube-Kanal. Auch Lady Gaga oder Ariana Grande glauben daran.

Du wiederholst es vor dir selbst jeden Tag. Und eines Tages wird die Lüge zur Wahrheit.

Auch Sängerin Alessia Cara glaubt daran. Sie hat mit BRUST RAUS-Host Walerija darüber gesprochen, wie sie früher in ihrem Zimmer gespielt hat, wie sie bereits Interviews gibt oder auf der Bühne performt, um das wirklich so zu verinnerlichen - zu "manifestieren".

In vielen Videos, auch auf YouTube oder Instagram, wird auch davon gesprochen, dass du damit reich, beliebt oder glücklich wirst. Das kann problematisch sein, vor allem, wenn genau diese Personen dann kostenpflichtige Kurse anbieten, mit denen du das Glück finden sollst.

Das sagt eine Psychologin zum Manifestieren

Das alles klingt erstmal nach Hokuspokus. Aber können positive Gedanken und das Manifestieren aus psychologischer Sicht tatsächlich eine Auswirkung haben?

„Ich würde dem Ganzen mal den Zauber und das Mystische nehmen, indem ich schaue, was für eine Technik denn dahintersteckt“, sagt Psychologin Nesibe Özdemir. „Das Manifestieren bedient sich einer kognitiven Technik, also dass man mit den Gedanken arbeitet.“ Die konkreten Formulierungen beim Manifestieren, was du in der Zukunft erreichen oder haben möchtest („Ich habe meinen Abschluss geschafft.“) und die Vorstellung und das Gefühl dabei, könne die Motivation oder Erwartungshaltung extrem steigern und ins Positive bringen, sagt Nesibe. Das könne aus psychologischer Sicht sinnvoll sein, wenn man ein Ziel erreichen möchte.

Problematisch wird es, wenn man glaubt, nur deshalb das Ziel erreicht zu haben.

Im Fall der Manifestierung wird meistens die gesamte Kontrolle und Verantwortung an das Universum abgegeben. Es wird für die Zukunft verantwortlich gemacht. Wenn die versprochenen Träume und Wünsche dann aber nicht eintreten, würde der Fehler oft der Person zugeschrieben („Naja, gut, dann hast DU da eben beim Manifestieren etwas falsch gemacht.“). Bei Erfolg allerdings würde es dann meist dem Universum zugeschrieben. Das könne zu Hilflosigkeit und einem Opfer-Gefühl führen, meint Nesibe.

Diese Kombination ist total gefährlich für unser Selbstwertgefühl.

"Man muss aufpassen, dass man nicht die volle Verantwortung für sein Handeln, seine Ziele und Wünsche abgibt.“ Wichtig sei Nesibes Meinung nach die Balance: „Man sollte sehen, dass man selbst auch ziemlich viel geleistet hat in der Zeit und das Universum vielleicht seine Weichen gestellt hat, weil man das manifestiert hat. Aber auf der anderen Seite sollte man sehen, dass man ja auch etwas dafür tut, dass da was passiert.“

Welche Methoden beim Manifestieren sind sinnvoll?

  • Die Visualisierungs-Methode, die beim Manifestieren angewendet wird, hält Nesibe für sinnvoll. Sich eine Situation konkret im Detail vorzustellen, könne psychologisch gesehen helfen. Sie wird auch oft in der Psychotherapie angewandt.
  • Auch das „Konzept der Dankbarkeit“ sei hilfreich. Seine Träume also zu visualisieren und in das Gefühl der Dankbarkeit zu gehen, könne sehr viel bewirken in der Stimmungslage, meint Nesibe. Im Gegensatz zu einem pessimistischen Blick oder Angst um die Zukunft.
  • Eine Methode, die auch in der Psychotherapie vorkommt, sei das Hineinversetzen in Situationen, Personen oder Charaktere. Zum Beispiel bei Menschen mit geringem Selbstwertgefühl könne das helfen. Sie sollen sich überlegen, wie sie sich verhalten würden, wenn sie selbstbewusst wären. Dafür schauen sie sich zum Beispiel eine Schauspielerin an, die sich schon so verhält und stellen sich dann vor, was sie tun müssen, um auch so zu sein. Als Übung verhalten sie sich dann in konkreten Situationen so und beobachten ihre Gefühle dabei.

Wichtig: Wenn du unter einer psychischen oder behandlungsbedürftigen Störung leidest, solltest du das unbedingt ärztlich und/oder psychotherapeutisch abklären lassen. Nicht zu sehr vertrauen solltest du in diesem Zusammenhang Heilversprechen oder esoterischen Angeboten, sagt Psychologin Nesibe. Als Zusatz könne das nicht schaden, eine ärztliche Abklärung sei aber wichtig.

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