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TikTok steht in den USA wohl endgültig vor dem Aus. Bis zum 20. September muss die App aus den App-Stores von Apple und Google entfernt sein. Ein Deal mit einem US-Unternehmen könnte TikTok in den USA aber immer noch retten. Auch in Deutschland soll TikTok nochmal geprüft werden. Verschwindet die App bald ganz?

Donald Trump droht schon lange, die beliebte App TikTok in den USA zu verbieten. Jetzt wird es wohl ernst: Nach Angaben der Nachrichtenagentur Reuters müssen Apple und Google bis zum 20. September die App aus ihren Stores verbannt haben. Das hätten drei Beamte des Handelsministeriums bestätigt. User könnten demnach die App erstmal gewohnt weiter nutzen, es werde aber keine weiteren Updates mehr geben. Ab dem 12. November soll die App in den USA dann auch endgültig nicht mehr funktionieren. Das Verbot betreffe nur die USA. Außerhalb könne man die App normal weiter herunterladen.

Kann das TikTok-Verbot noch verhindert werden?

Ein Verbot könnte wohl nur dann noch scheitern, wenn ein Deal zwischen dem chinesichen Konzern Bytedance, dem TikTok gehört, und einem US-Unternehmen zustande kommt. Microsoft hatte sich vor Monaten offiziell eingeschaltet, um die US-Geschäfte von TikTok zu übernehmen. Das wurde aber von TikTok selbst abgelehnt. Dann sollte der US-Softwarekonzern Oracle übernehmen.

Damit war aber wohl Trump nicht ganz happy, da es nur eine Partnerschaft wäre und keine Übernahme der App. Laut der amerikanischen Zeitung "Wall Street Journal" will die US-Regierung nämlich , dass ein amerikanisches Unternehmen die Mehrheit an TikTok besitze.

Wieso will Trump TikTok in den USA überhaupt verbieten?

Über eine Milliarde Menschen gucken sich weltweit die Lip Sync-, Tanz- und Comedyvideos auf TikTok an. Oder laden eben selbst welche hoch. Zum Vergleich: Auch Instagram hat ca. eine Milliarde aktive Nutzer pro Monat. TikTok gehört also zu den beliebtesten sozialen Netzwerken.

Um die Frage zu klären, ob TikTok auch in Deutschland verboten werden könnte, müssen wir uns erst einmal anschauen, was in den USA eigentlich los ist.

TikTok gehört dem chinesischen Konzern ByteDance und wurde mit der ehemaligen Lip Sync-App Musical.ly zusammengelegt. Trumps Idee, die App in den USA zu verbieten, hängt mit politischen Interessen zusammen. Trump möchte den Einfluss der chinesischen Regierung in den USA zurückdrängen. Auch andere chinesische Unternehmen haben dadurch schon Nachteile in den USA gehabt.

TikTok stand immer wieder in der Kritik wegen Sicherheitslücken, mangelndem Daten- und Jugendschutz und dem Unternehmen wurde auch schon Zensur vorgeworfen.

Diese Sicherheitsbedenken nimmt Trump nun als Vorwand, um die App verbieten zu wollen. Laut ihm würde TikTok sensible Daten an die chinesische Regierung weitergeben. TikTok selbst weist jegliche Vorwürfe zurück:

Wir sind nicht politisch. Wir akzeptieren keine politische Werbung. Wir verfolgen keine Agenda. Unser einziges Ziel ist es, eine lebendige und dynamische Plattform, auf der jeder Spaß haben kann, zu bleiben.

Kevin Mayer, Vorstandsvorsitzender TikTok

Kann es passieren, dass TikTok auch in Deutschland verboten wird?

In Deutschland ist nun die spannende Frage, ob Trumps Hate auf TikTok auch hier Konsequenzen haben könnte. Die Bundesregierung hatte zumindest schon eine Prüfung von TikTok angekündigt. Auch wenn der Zeitpunkt etwas merkwürdig ist, weil TikTok schon seit der Gründung in der Kritik wegen Datenschutzproblemen und Co. steht.

Aber, keine Sorge! In Deutschland ist das Verbieten einer App gar nicht mal so einfach. Fabian aus der SWR-Rechtsredaktion hält es nicht für wahrscheinlich, dass TikTok in Deutschland verboten wird:

Viele Inhalte, die auf TikTok veröffentlicht werden, fallen unter die Meinungs- & Kunstfreiheit oder auch unter die Pressefreiheit, wie zum Beispiel Inhalte der Tagesschau.

Fabian Töpel, SWR-Rechtsredaktion

Auch wenn die Bundesregierung die App jetzt nochmal in Hinblick auf Datenschutz prüfen lässt, heißt das nicht, dass TikTok verboten wird:

Wenn eine App mit den privaten Daten ihrer User unverantwortlich umgeht, sieht die DSGVO hohe Geldbußen vor - bis zu 4% der weltweiten Unternehmenseinnahmen - aber nicht das komplette Verbot der App.

Fabian Töpel, SWR-Rechtsredaktion

Was (wenn überhaupt) möglich wäre, dass Apple und Google die App aus ihren Stores verbannen. Die Unternehmen haben eine große Macht darüber, welche Angebote in ihren App-Stores auftauchen. Aber auch das hält Fabian für unwahrscheinlich, weil man es sich kaum mit der Masse an TikTok-Fans verscherzen wolle. Übrigens: Auch in den USA wäre laut Fabian ein Verbot gar nicht so einfach, wie Trump es klingen lässt.

So oder so müssen sich aber alle bewusst sein, dass TikTok keine unumstrittene App ist. Alle müssen für sich selbst entscheiden, ob sie das Risiko eingehen wollen - genauso, wie bei Facebook, Instagram, WhatsApp und andere Plattformen.

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