Erinnerung an die Opfer des rassistisch motivierten Anschlags vom 19. Februar 2020. (Foto: picture-alliance / Reportdienste, dpa | Christine Schultze)

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Zwei Jahre nach dem rassistischen Anschlag in Hanau: Was hat sich getan?

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Dani Rapp
Daniela Rapp (Foto: DASDING)
Janis Reuter

Vor zwei Jahren hat ein Mann den rassistischen Anschlag in Hanau begangen. Am 19. Februar 2020 erschoss er neun Menschen aus rassistischen Motiven. Was seitdem passiert ist und wo dieses Wochenende Gedenkveranstaltungen in deiner Nähe stattfinden, erfährst du hier.

Wo in deiner Nähe in Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz Veranstaltungen und Aktionen zum Anschlag in Hanau stattfinden, liest du unten im Artikel.

Das sind die Namen der Opfer von Hanau

Ferhat Unvar. Gökhan Gültekin. Hamza Kurtović. Said Nessar Hashemi. Mercedes Kierpacz. Sedat Gürbüz. Kaloyan Velkov. Fatih Saraçoğlu. Vili Viorel Păun.

Das passierte vor zwei Jahren in Hanau

Am 19. Februar 2020 erschoss ein Mann drei Menschen in der Hanauer Innenstadt. Kaloyan Velkov, Fatih Saraçoğlu und Sedat Gürbüz starben in oder vor der Bar und in einem Shisha-Café. Anschließend fuhr der Täter mit seinem Auto in einen nahegelegenen Stadtteil.

Vili Viorel Păun hatte den Täter mit seinem Auto verfolgt und währenddessen drei Mal versucht, die Polizei zu erreichen. Der Notruf war besetzt. Der Täter erschoss Vili Viorel Păun durch seine Windschutzscheibe.

In einem Kiosk tötete der Täter Gökhan Gültekin, Mercedes Kierpacz und Ferhat Unvar.

In der Bar nebenan erschoss er Said Nesar Hashemi und Hamza Kurtović. Weitere Menschen wurden an dem Abend verletzt.

Als die Polizei eintraf, war der Täter bereits geflohen. Er erschoss zu Hause erst seine Mutter und dann sich selbst.

"Nichts passiert und nichts ändert sich, wenn wir keinen Druck machen!"

Seit der Tat hat sich in Deutschland einiges getan: Ermittlungsverfahren, Demonstrationen, Mahnwachen, ein Untersuchungsausschuss. Trotzdem bleiben Fragen offen.

Die "Initiative 19. Februar Hanau" kämpft seit zwei Jahren "für Erinnerung, für Gerechtigkeit, für Aufklärung und für Konsequenzen". An vielen Orten zeigen sie die Gesichter der Opfer und ihre Namen. Außerdem werfen sie den Behörden und der Polizei Versagen vor. Die Angehörigen müssten selbst ermitteln und "die Behörden mit Strafanzeigen dazu zwingen, zum versteckten Notausgang, zum defekten Notruf oder zur Rolle des Vaters [des Täters] zu ermitteln", heißt es in einem Video der Initiative. Ohne Druck würde sich nichts ändern. Unter dem Video schreiben sie:

Wir stellen uns dem Rassismus entgegen. Dem Rassismus, der verletzt und tötet und uns unsere Liebsten genommen hat. Wir stehen zusammen und kämpfen gemeinsam. Gegen die Angst. Für das Leben. Erinnern heißt verändern!

Opfer und Hinterbliebene kritisieren seit zwei Jahren, was nach der Tat passierte. Sie erheben schwere Vorwürfe gegen die Behörden und den hessischen Innenminister. In den vergangenen Wochen sagten Angehörige der Opfer im hessischen Untersuchungsausschuss zum Terror von Hanau aus. Dabei geht es vor allem um die Frage, ob es vor, während oder nach der Tat zu einem Behördenversagen gekommen ist.

Beispielsweise kritisieren sie die Obduktionen der Opfer. Die Leichen wurden sehr lange obduziert, obwohl klar war, dass sie erschossen wurden, erzählen Hinterbliebene in der Doku des Hessischen Rundfunks "Hanau - eine Nacht und ihre Folgen".

Diese Kinder wurden auseinander genommen. Sie wurden Stück für Stück aufgeschnitten. Ihre Organe wurden ihnen entnommen. Die wussten wie sie gestorben sind. Sie wurden erschossen. Man muss ihnen ja nicht die Organe entnehmen und einzeln abwiegen und sie dann irgendwie zusammenflicken.

Erst acht Tage nach dem Tod sollen die Familien die Leichen gesehen haben können.

Außerdem werfen sie der Polizei vor Ort Überforderung und Rassismus vor: Neben der schlechten Information und Betreuung vor Ort, soll die Polizei in einem Bericht das Aussehen von Hamza Kurtović als "orientalisch-südländisch" beschrieben haben. Hamza war blond, blauäugig und hatte eine sehr helle Haut. Im Ausschuss wurden die Hinterbliebenen gefragt, ob ihnen von Polizei oder Behörden geholfen worden sei, woraufhin der Vater des ermordeten Vili Viorel Păun aussagte: "Ich hatte einen einzigen Kontakt zur Polizei. Zu diesem Treffen hätte ein Dolmetscher kommen sollen, aber es kam keiner." Alle Angehörigen berichteten Ähnliches. Der hessische Innenminister Peter Beuth versicherte vor ungefähr einem Jahr im Landtag: "Die Kontaktbeamten haben die überlebenden Opfer und Angehörigen von Opfern aktiv angesprochen und persönliche Beratungen durchgeführt".

Besonders demütigend soll für die Hinterbliebenen gewesen sein, dass sie erst dann aktiv von der Polizei angesprochen wurden, als sie von einem möglichen Racheakt gegen den Vater des Täters abgehalten werden sollten. Viele empfanden das als rassistisch. Der Vater des Täters hatte den Bürgermeister von Hanau mehrmals angezeigt, weil dieser gesagt habe, dass die Opfer keine Fremden seien. Außerdem fordere der Vater Folgendes: die Gedenkstätten an die Opfer sollen entfernt, die rassistische Internetseite seines Sohnes wieder freigeschaltet und die Tatwaffe herausgegeben werden.

Im Untersuchungsausschuss wird außerdem der legale Waffenbesitz des Täters noch eine wichtige Rolle spielen. Die Waffen besaß der Sportschütze seit 2013 legal. Sie waren gemeldet und registriert. Die Ermittlungen gegen den Attentäter wurden mittlerweile eingestellt, da er nach Einschätzung der Bundesanwaltschaft keine Mitwisser oder Gehilfen hatte. Für die Angehörigen bleiben Fragen offen. Denn sie halten die Rolle des Vaters weiterhin für "nicht ausermittelt".

Weiter soll es um den Notausgang in der Arena Bar gehen. Die hessische Staatsanwaltschaft kam zu dem Entschluss, die beiden Opfer in der Arena Bar, Said Nesar Hashemi und Hamza Kurtović, hätten nicht genug Zeit gehabt, um sich vor den Schüssen durch den Notausgang zu retten. Selbst dann nicht, falls dieser offen gewesen wäre. Das neue Gutachten der britischen Rechercheagentur Forensic Architecture widerspricht dem allerdings und erklärt, die beiden Opfer "hätten überleben können, wenn der Notausgang offen gewesen wäre und sie das gewusst hätten". Im Raum steht, dass der Notausgang bewusst versperrt war, damit bei Razzien der Polizei, keine Flucht ergriffen werden konnte.

Gedenk-Veranstaltungen und Aktionen zum Anschlag in Hanau bei dir in Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz

In mehr als 60 Städten in Deutschland finden Veranstaltungen und Aktionen statt, um an die Opfer des rassistischen Anschlags vor zwei Jahren in Hanau zu erinnern. Am Vormittag des 19. Februar 2022 wird es auf dem Hauptfriedhof in Hanau eine Gedenkstunde geben mit 100 geladenen Gästen. Auch in vielen Städten in Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz wird der Opfer gedacht:

Heidelberg
Samstag, 19.02. / 16:00 Uhr | Gedenken | Am Universitätsplatz

Dienstag, 22.02. / 19:00 Uhr | Im Kulturhaus Karlstorbahnhof: Gesprächs- und Erinnerungsabend „Zwei Jahre und ein paar Tage – nach Halle, nach Hanau: Erinnern, aber Weitermachen!“
Mannheim
Samstag, 19.02. / 17:00 Uhr | Demo | Marktplatz
Stuttgart
Samstag, 19.02. / 15:00 Uhr | Gedenkkundgebung | Am Eckensee

Samstag, 19.02. / 18:00 Uhr | Lichtprojektion und Gedenken | Altes Schloss
Freiburg
Samstag, 19.02. / 11:00 Uhr | Kundgebung | Platz der alten Synagoge
Koblenz
Samstag, 19.02. / 16:00Uhr | Kundgebung | Zentralplatz
Ulm
Samstag, 19.02. / 15:00 Uhr | Demo | Münsterplatz
Trier
Samstag, 19.02. / 16:00 Uhr | Porta Nigra
Tübingen
Samstag, 19.02. / 15:00 Uhr | Demo | Marktplatz
Ludwigshafen
Samstag, 19.02. / 16:00 Uhr | Berliner Platz/Eingang Walzmühle
Mainz
Freitag, 18.02. / 15:00 Uhr | Demo und Kundgebung | Ernst-Ludwig-Platz

Deine Stadt war nicht dabei? Dann check mal hier die komplette Liste!

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