Podcast: Opa, lass reden (Foto: SWR, ©SWR/Niko Neithardt)

Opa, lass reden

So erfährst du mehr über deine (wahre!) Familiengeschichte

Stand
AUTOR/IN
Imre Balzer

Was haben deine (Ur-)Großeltern wirklich während der Nazi-Zeit gemacht? Wer darauf eine Antwort haben will – fragt am besten direkt nach! Aber: Leider ist das nicht immer so leicht.

Manchmal fällt es schwer, so ein Gespräch zu beginnen, andere (Ur-)Großeltern sind schlicht tot und können deswegen keine Auskunft mehr geben. Manchmal haben Verwandte sich aber auch selbst an Verbrechen beteiligt und schweigen deswegen lieber, andere haben traumatische Erfahrungen im Krieg oder während der Zeit der Besatzung machen müssen – und können darüber nicht sprechen.

Für alle, die klare Antworten wollen, ist das oft unbefriedigend. Und selbst wenn die eigenen Großelten noch leben und man sich überwunden und nachgefragt hat, bleibt die Frage: Stimmt das denn alles so? Wie kann ich das überprüfen?

Archive, Dokumente oder doch persönlich reden? So kommst du an hard facts über deine Familie

Generell gilt: Die eigene Familiengeschichte komplett zu überprüfen ist kompliziert - oft sogar unmöglich. Es gibt aber ein Möglichkeiten, wenigstens ein paar harte Fakten über die Vergangenheit herauszubekommen. Weil ganz klischeemäßig sind die Deutschen ja sehr gründlich was die Bürokratie betrifft – und an dem Klischee ist eben auch was dran. Es gibt viele Archive, die alte Dokumente, Akten, Gerichtsunterlagen aufbewahren. Und da lagern manchmal auch Infos über die (Ur-)Großeltern.    

Podcast: Opa, lass reden (Foto: SWR, ©SWR/Niko Neithardt)
Opa Jo schaut sich ein altes Fotoalbum an.

Aber bevor ihr euch an Archive wendet, fragt doch erstmal andere Familienmitglieder. Oft seid ihr nicht die Ersten, die sich für die eigene Geschichte interessieren. Gibt es noch Fotoalben und Dokumente in der Familie? Auf dem Dachboden oder ganz hinten im Schrank? Oft findet sich da mehr als man denkt.

Auch Familienerzählungen können Hinweise liefern – aber Vorsicht: Geschichten, die man sich weitererzählt, müssen nicht unbedingt wahr sein. Oft stimmen aber Teile oder liefern wenigstens Hinweise auf Orte, Ereignisse, Zeitverläufe. Schaut euch also am besten die einzelnen Aspekte der Geschichten an und prüft nach, was stimmen könnte. Notiert euch die Infos die ihr erzählt bekommt  – und versucht dann, diese zu überprüfen.

How to: Ahnenforschung mithilfe von Archiven

Überprüfen könnt ihr die persönlichen Stories von Oma und Opa zum Beispiel mithilfe von Archiven. Was ihr für Archiv-Anfragen braucht, ist der vollen Name der Person, über die ihr etwas herausfinden wollt, plus Geburtsdatum und am besten Geburtsort. Manchmal kostet so eine Anfrage auch etwas Geld, aber oft sind das kleine Beträge und ihr werdet darüber vorab informiert.

In Landes-, Stadt- oder Kreisarchiven gibt es teilweise die Möglichkeit, über historische Telefonbücher Namen oder Firmen und Adressen zu recherchieren. So könnt ihr etwa Geburtsdatum und Geburtsorte herausfinden. Auch Einwohnermeldekarteien und Standesamt-Daten gibt es teilweise noch. Manchmal kann man diese Infos online finden, oft muss man eine Mail schreiben.

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Marco liebt es, dass sein Opa diese Geschichten so eindrücklich erzählt und die Zeit, die er mit ihm verbringt.

Was haben (Ur-)Oma und (Ur-)Opa in der Nazi-Zeit gemacht?

Und damit ans Eingemacht: Wie steht es um die Nazi-Zeit? Besonders interessant dafür sind die sogenannten Entnazifizierungsakten. Viele Deutsche mussten sich nach dem Krieg vor Entnazifizierungsausschüssen der Alliierten für ihr Verhalten verantworten, also zum Beispiel, wenn sie Mitglied in der NSDAP waren. Falls das auf eure Verwandten zutrifft, gibt es möglicherweise noch Akten dazu. Ihr sollte allerdings nicht alles wörtlich nehmen, was in den Unterlagen steht. Viele Entlastungsnachweise können da auch als Gefälligkeiten gewertet werden, vor den Ausschüssen wurde immerhin über Schuld oder Unschuld verhandelt. Aber: In den Akten sind oft Mitgliedschaften in NS-Organisationen vermerkt, das kann sehr hilfreich sein.

Wo die Akten zu finden sind, hängt auch von der damaligen Besatzungszone ab, meist liegen sie in den den regionalen Landes- und Staatsarchiven (in Baden-Württemberg zum Beispiel gibt es die Akten im Staatsarchiv Ludwigsburg, in NRW im Landesarchiv). Oft sind die Daten sogar digitalisiert.

Was genau (Ur-)Opa in der Wehmacht gemacht hat, darüber kann die Abteilung Personenbezogene Auskünfte (PA) des Bundesarchivs in Berlin Auskunft geben. Dort findet ihr Dokumente über ehemalige Angehörige des Heeres, der Marine, der Luftwaffe aber auch über Beamte und Angestellte der Wehrmacht. Das Archiv gibt etwa Auskunft über Beginn und Ende des Wehrdienstes, Zugehörigkeit zu den Truppenteilen und Auszeichnungen. Nachprüfen kann man beim Bundesarchiv auch, ob der Verwandte Mitglied der NSDAP oder anderer NS-Organisationen war. Auch beim Militärarchiv in Freiburg (auch eine Abteilung des Bundesarchivs) lohnt sich eine Anfrage. Dort lagern unter anderem Personalakten der Offiziere und Beamte und Unterlagen zur Verleihung von Orden und Ehrenzeichen.

Für eine Anfrage beim Bundesarchiv müsst ihr einen Benutzerantrag und einen Auftrag für eine Recherche ausfüllen (zu finden als PDF auf der Website des Bundesarchivs) und per Post oder Email an die Abteilung in Berlin oder Freiburg schicken.

Allerdings gilt auch hier: Erwartet nicht zu viel. Eine Anfrage beim Bundesarchiv liefert oft Stationen mit kryptischen Abkürzungen, die ihr mühsam nachschlagen müsst. Da hilft zum einen exzessiv im Internet nachzuschauen und viel Kontext lesen – oder professionelle Hilfe, zum Beispiel bei einem Recherchediensten oder einem Workshop.

Was tun, wenn ein Puzzle-Teil in der Familiengeschichte fehlt?

Nicht selten sind Familienangehörige nach dem Krieg auch nicht mehr zurückgekommen, weil sie gefallen oder in Kriegsgefangenschaft gestorben sind. Um Informationen über sie rauszubekommen, gibt es die Möglichkeit, beim DRK-Suchdienst anzufragen. Auch der Volksbund Deutsche Gräberfürsorge (VDK) kann hier vielleicht helfen. Wenn ein Angehöriger nach dem Krieg gefangen genommen wurde, gibt es auch dazu oft Unterlagen, die sich aber in den Nationalarchiven der jeweiligen Länder finden. In Großbritannien finden sich die Unterlagen etwa in den „Detention Reports“ in den National Archives in Kew bei London.

Wurden deine (Ur-)Großeltern von den Nazis verfolgt, gibt es mit den Arolsen Archives eine umfangreiche Sammlung von Dokumenten und Spuren. Online könnt ihr selbst eine Recherche starten oder ein Anfrageformular ausfüllen und suchen lassen.

Die endlose Suche nach der eigenen Familiengeschichte?

Mit diesen Instrumenten könnt ihr schon mal einiges rausfinden. Und wenn ihr nicht weiterkommt: Schreibt doch einfach mal eine nette Mail an das lokale Archiv. Oft arbeiten dort sehr engagierte Menschen, die euch helfen und euch weitere Hinweise geben können. Lasst euch dabei nicht von unbekannten Abkürzungen abschrecken – zur Not einfach nochmal nachfragen!

Generell gilt aber auch: So eine Recherche dauert oft mehrere Monate. Und: die Antworten fallen oft nicht so eindeutig aus, wie wir das gerne hätten. Was ihr findet, werden meist nur Puzzlestücke sein, die mal besser, mal schlechter ineinander passen.

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Marco findet, er hat den besten Opa von allen. Denn, wenn Marco seine Großeltern besucht, sitzen er und sein Großvater Jo auf der Terrasse in der Sonne und reden stundenlang. Und Jo erzählt Marco von früher: Wie es war, als in Berlin die Bomben gefallen sind, vom Hunger nach dem Krieg und wie er später als junger Mann aus der DDR geflüchtet ist.                                                              
Marco liebt diese Geschichten und die Zeit, die er mit seinem Opa verbringt. Seine Vorfahren, so erzählt es Opa Jo, waren keine Freunde der Nazis und haben sich ihnen sogar entgegengestellt. Marco glaubt, er weiß ganz gut Bescheid über seine Familie - aber stimmt das wirklich alles so? Wie verlässlich sind die Erzählungen seines Opas?

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Imre Balzer

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