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Es ist vollbracht. Tarek K.I.Z hat sein Debütalbum veröffentlicht, Miami Yacine sein zweites. Shindy hat wieder eine Single aus dem Nichts gedroppt und auch von Newcomer Majan darf man sich über neue Musik freuen.

Golem: Tareks Solodebüt ist da!

Nach fünf Alben mit K.I.Z hat sich Tarek an sein Solodebüt herangewagt. Die Single-Auskopplungen haben bei seinen Fans für gemischte Reaktionen gesorgt. Viele haben wohl nicht erwartet, dass er so stark mit dem bekannten K.I.Z-Stil bricht. Aber was bringt es denn, ein Soloalbum zu machen, das genauso klingt wie die Alben mit der Band?

„Golem“ liefert inhaltlich sehr düstere, soundtechnisch aber dennoch sehr poppige Musik. Lyrisch zeigt sich Tarek in Bestform und schafft es, Dinge mit ganz einfachen Worten perfekt auf den Punkt zu bringen. Hier ein Beispiel:

Feierabend und die Bahn ist voller Sklaven / Sie hassen den Ort, an dem sie war'n, und den Ort, an den sie fahren

Tarek auf „Ticket hier raus“

Hört man das Album am Stück durch, wird ein klarer roter Faden erkennbar. Immer wieder nimmt er auf seinen Vater Bezug und alles steuert auf den letzten Song hin, auf dem er dessen Tod verarbeitet. Sehr gutes Album! Mal sehen, ob es wirklich das letzte Soloprojekt bleiben wird.

Ich habe mir lange Zeit gelassen ein Solo Album aufzunehmen, lange gezweifelt, weil ich großen Respekt vor einem solchen Projekt habe. Ich habe mir nicht zugetraut etwas zu erschaffen, was meinen Ansprüchen genügt. Es sollte dem Werk von K.I.Z etwas hinzufügen und doch etwas Eigenes sein. Höchstwarscheinlich wird es mein letztes Album, dementsprechend sollte es so gut werden, dass ich mich in zehn Jahren nicht darüber ärgern muss . Ich bin froh, dass ich es nicht früher aufgenommen habe, den vor zehn Jahren wäre ich psychisch nicht in der Lage gewesen „Golem“ zu erschaffen. Nun kann ich aus meiner ganzen Lebenserfahrung schöpfen. Meine Aggression, Trauer und Freude mit einem klaren Geist in Worte fassen. Ich wollte mich weiterentwickeln und eine Herausforderung meistern. Die Hosen runterlassen. Dass ich das geschafft habe, ist mir Erfolg genug. Ich wollte nicht, dass es derselbe Sound wird wie bei K.i.Z, denn warum sollte ich ein K.i.Z Album ohne Nico und Maxim aufnehmen ? Das macht keinen Sinn. Natürlich hört man den Einfluss meiner Band trotzdem heraus und auch K.I.Z Fans werden den ein oder anderen Song finden der ihnen gefällt. Ich habe schon immer gesungen und höre privat auch eher Gesang, deshalb hat es mich gereizt meine Fähigkeiten in dieser Richtung auszubauen . Trotzdem wird „Golem“ fifty-fifty, halb Rap halb Gesang. Kann kaum darauf warten, die nächsten Songs zu releasen in euch im Februar auf Tour zu sehen. Helft mir die Songs zu verbreiten, schon bald geht es weiter. Golem“ erscheint am 13.12 der Vorverkaufslink ist in der Bio.

Welcome 2 Miami: Miami Yacine legt nach

Sein Solodebüt hat er schon hinter sich, bei Miami Yacine stand der Nachfolger an. Auf seinem zweiten Album zeigt Miami Yacine, dass er sich persönlich wie musikalisch weiterentwickelt hat. Während sein Debütalbum „Casia“ bis auf zwei, drei große Ausreißer ziemlich generisch wirkte und teilweise etwas ideenlos, ist „Welcome 2 Miami“ sehr facettenreich.

Miami bringt zum einen melodische Ohrwürmer, für die er seit „Kokaina“ bekannt ist, zum anderen ist das Album diesmal deutlich HipHop-lastiger. Der Dortmunder wirkt, als hätte er etwas Wut im Bauch und will seine Kritiker ruhig stellen. Steht ihm sehr gut, das Autotune auch mal weg zu lassen und mehr von seiner Persönlichkeit zu zeigen.

Als Statement dafür, dass ihm Zahlen und Charts nichts bedeuten, erschien das Album mittwochs und nicht freitags, wie es sonst üblich ist. So hat das Album keine volle Verkaufswoche Zeit, um Streams und Verkäufe für eine gute Chartplatzierung zu sammeln.

Shindy in der Buslinie 554

„Droppe wieder Singles aus dem Nichts und du hast Angst“, heißt es auf „Nautilus“. Genau das hat Shindy jetzt getan. Mit „554“ erschien am Freitag ein neuer Song – ohne große Ankündigung, nur ein kleiner Post um 00:00 Uhr, dass der Song online ist. Benannt ist er nach einer Buslinie, die durch Shindys Heimatort Bietigheim-Bissingen fährt.

Thematisch dreht es sich auch indirekt um genau diese Buslinie. Shindy erzählt von seiner Jugend, die er unter anderem in jenem Bus verbrachte, wie er im Schulunterricht Rap-Texte schrieb und wie das bei ihm überhaupt alles anfing mit der Musik. Auf einen Refrain wird auch verzichtet, stattdessen gibt es ganz klassisch Vocal-Cuts vom amerikanischen Rapper Pimp C.

Beats im iPod, Geschichtslehrer f*ckt Kopf / Schreib' Geschichten in Geschichte, die Geschichte schreiben / Wie viel Geschichte woll'n Sie noch?

Shindy auf „554“

Eines der größten Talente: Majan mit neuer Single

Nicht aus dem Nichts, aber dennoch am Freitag erschien „Es geht mir gut“ von Majan. Majan ist seit dem letzten Jahr immer mehr am Start und war auch unser Kandidat und Gewinner des New Music Awards.

Nach einer Zusammenarbeit mit Cro und ein paar Solosongs erschien nun eine weitere Solosingle. Vielleicht entpuppt es sich ja am Ende als erster Vorbote seines Debütalbums „Oh Boi“, das schon seit einiger Zeit im Raum steht. Eine konkrete Ankündigung dafür gibt es momentan aber noch nicht.

Fest steht aber, dass wir von Majan in Zukunft noch einiges hören werden. Wenn ich mir sein musikalisches Talent und seine Vielseitigkeit anschaue, bin ich auch überzeugt, dass er sehr schnell über die Grenzen von Deutschrap hinauswachsen wird. Vor meinem geistigen Auge sehe ich ihn in 30 Jahren in irgendeinem Stadion auf der Bühne am Klavier sitzen. Aber jetzt warte ich erstmal gespannt auf das Debüt.